Debatte zwischen Veranstalter und Stadtvertretern in Goldberg entbrannt

80er-Jahre-Party droht das Aus

Debatte zwischen Veranstalter und Stadtvertretern in Goldberg entbrannt: Auf eine mündliche Zusage folgte eine Absage

FÜR GOLDBERGS STADTVERTRETERSITZUNG EIN EHER UNGEWÖHNLICHES BILD: EIN VOLLER SITZUNGSSAAL MIT EINWOHNERN DER MILDENITZSTADT. SABRINA PANKNIN

GOLDBERG Ein Antrag für die Genehmigung einer 80er-Jahre-Party in der Turnhalle am Sportplatz von Goldberg sorgte für Aufregung in der Mildenitzstadt und für ein ungewohntes Bild im Saal der freiwilligen Feuerwehr am Donnerstagabend. Sogar die aufgestellten Stühle reichten nicht für die rund 30 Besucher der Stadtvertretersitzung. Vereinsleute, das Gastronomen-Ehepaar Peter und Simone Larisch, Musiker der Stadt waren Tobias Schröter, besser bekannt als Horst Power, gefolgt. Denn seit vielen Jahren veranstaltet Horst Power Musikereignisse wie den Nikolausrock in der Stadt. „Ich hätte mir nie träumen lassen, dass ich mich einmal vor der Stadtvertretung wegen eines Antrages rechtfertigen muss“, sagt Horst Power.

Was war passiert? Anfang Januar habe Horst Power beim Leitenden Verwaltungsbeamten, Marko Kinski, vorgesprochen und nach einer Genehmigung für eine weitere Musikveranstaltung in der kleinen Sporthalle gefragt. Für Horst Power ein gewohnter Gang und nichts Neues. Schließlich habe er bereits zweimal den Nikolausrock in der Halle veranstaltet – mit Zustimmung der Stadt. Doch dieses Mal ist es anders. „Herr Kinski hatte mir mündlich zugesichert, dass dem nichts entgegenstehe. Deshalb habe ich schon Vorbereitungen getroffen: Plakate gedruckt, Brandschutzplatten besorgt. Und dann wird mein schriftlicher Antrag auf Genehmigung doch abgelehnt. Ich frage jetzt warum“, schließt Horst Power seine Ausführungen.

Auch Maik Kindler, Mitglied der Kreistagsfraktion Umwelt, Piraten und Freie Wähler sowie Organisator zahlreicher Kulturveranstaltungen, darunter Konzerte, in der Gemeinde Grebbin ist anwesend an diesem Abend. „Ich kenne dieses Ankämpfen vor Gemeindevertretungen, dasselbe erlebe ich auch in anderen Ämtern und Gemeinden“, sagte er gestern gegenüber unserer Redaktion. Darüberhinaus zeigt er sich schockiert. „Ich bin erschrocken, wie wenig Kenntnis der Goldberger Bürgermeister von der Kommunalverfassung hat. Doch vielmehr würde mich interessieren, welche Rolle Herr Kinski als Leitender Verwaltungsbeamter in dieser Sache spielt“, fragt Maik Kindler und schildert seinen Eindruck von der Debatte in der Einwohnerfragestunde.

Auf die Frage warum es zur Absage kam, antwortete Peer Grützmacher: „Wir haben den Antrag auch im Finanzausschuss besprochen und sind zu der einstimmigen Auffassung gekommen, dass die Halle für eine so große Veranstaltung nicht geeignet ist. Der Nikolausrock war eine Ausnahme. Denn wenn etwas passiert, tragen wir die Verantwortung.“ Dem pflichtet Marko Kinski bei, fügt aber noch hinzu, dass „ich die Entscheidung nicht alleine trage. Das habe ich bei unserem Termin auch gesagt.“

Dass die Halle auf einmal nicht mehr sicher sein soll, und nun von der Bauordnung des Landkreises Ludwigslust-Parchim kontrolliert werden müsse, kommt nicht nur Horst Power spanisch vor, sondern auch seinen Unterstützern. Darunter Eltern, die ihre Kinder guten Gewissens in die Sporthalle schicken – u.a. bei Veranstaltungen der Grundschule. Es kommt zu einer Debatte, Emotionen kochen bei dem ein oder anderen hoch. „Es geht nicht darum, hier irgendetwas zu zerstören. Wir wollen nur sicher sein, dass nichts passiert, auch in Ihrem Interesse als Veranstalter“, verdeutlicht Marko Kinski den Standpunkt von Stadt und Verwaltung.

In der kommenden Woche findet ein Vor-Ort-Termin mit einem Mitarbeiter des Fachdienstes Bauordnung des Landkreises statt. Diesen Termin bestätigt Landkreissprecher Andreas Bonin auf SVZ-Nachfrage. „Dieser Termin ist nichts Besonderes, ein Routine-Termin. Bauschutztechnisch ist nichts aufgefallen.“ Beim Termin werde u.a. geschaut, wie es mit dem Brandschutz bestellt und für wie viele Personen die Halle ausgelegt ist. Auch der Veranstalter könne dabei sein, schlägt Marko Kinski vor. Ein Tag nach der Sitzung ist für Stadtvertreter Gustav Graf von Westarp eines sicher: „Klar geworden ist, dass die Bauprüfung der Turnhalle nicht vom Kreis, sondern von der Stadtspitze veranlasst worden ist. Die Motive dazu sind unklar, denn wenn die Kinder dort gefahrlos turnen dürfen, kann das für deren Eltern auch nicht gefährlich sein, dort zu tanzen.

Den Schaden von den plötzlichen Bedenken hat die unabhängige Musikszene in Goldberg – eine der wenigen Highlights, die weit über Goldberg bekannt ist und viele ehemalige Goldberger immer wieder in ihre Stadt zurückzieht.“

Veranstalter Horst Power lässt sich nicht zweimal bitten und nimmt die Einladung zur Teilnahme an der Begehung der Halle dankend an.

„Meine Absicht ist es auf keinen Fall, einen Zwiespalt hervorzurufen. Wir haben immer gut zusammengearbeitet – auch mit der Stadt.“

Ob die 80er-Jahre-Party am 12. März stattfinden kann, hängt nun vom Ergebnis des Vor-Ort-Termins mit Stadt, Kreis und Veranstalter ab.

Sabrina Panknin Zeitung Lübz/Goldberg

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